Mosaike aus den Industriesymposien der IMCAS 2026
In unserem vorherigen Artikel haben wir die IMCAS als professionellen Referenzpunkt untersucht: in welche Richtung sich die ästhetische Medizin bewegt und warum Gewebequalität, ein regenerativer Ansatz und Sicherheit zunehmend in den Vordergrund rücken.
Die IMCAS spiegelt den Stand der Branche nicht nur durch ihr wissenschaftliches Programm wider: Die Industriesymposien zeigen auch deutlich, wohin sich Indikationen und Entwicklungsprioritäten verlagern.
Im Folgenden geben wir keinen umfassenden Kongressbericht, sondern präsentieren einige professionelle Mosaike aus dem Industrieblock der IMCAS 2026 – Themen, die gut in die Richtung eines langfristigen, strukturierten und verantwortungsvollen ästhetischen Denkens passen.
Der Pariser IMCAS-Kongress ist weiterhin einer der wichtigsten internationalen Treffpunkte in der nicht-chirurgischen Ästhetik. Basierend auf den Industriesymposien des Programms 2026 lassen sich mehrere Verschiebungen der fachlichen Schwerpunkte klar erkennen. Es tauchten keine radikal neuen Techniken auf; vielmehr ändert sich die Denkweise: anstelle eines auf Volumenersatz zentrierten Ansatzes rücken Gewebequalität, Biostimulation und kombinierte Strategien zunehmend in den Vordergrund.
Im Folgenden fassen wir die markantesten Richtungen zusammen.
„Hybride Regeneration“ als neuer Rahmen
Einer der am häufigsten betonten Begriffe war Regeneration und ihr hybrider Ansatz.
Das Symposium der IBSA Group mit dem Titel „NAHYCO® FULL FACE: the new frontier of hybrid regeneration“ fand im Rahmen des IMCAS 2026-Programms mit einer Live-Injektionsdemonstration statt. Der Schwerpunkt lag nicht einfach auf der Volumengebung, sondern auf der gleichzeitigen Verbesserung der strukturellen Unterstützung und der Gewebequalität.
Der Fokus verlagert sich somit vom Volumenersatz auf die Gestaltung der Qualität der Gewebeumgebung. Die Kommunikation konzentriert sich zunehmend auf die Unterstützung der extrazellulären Matrix, die Verbesserung der dermalen Umgebung und die Anwendung eines komplexeren Ansatzes für die ästhetische Harmonie des Gesichts.
Quellen:
IMCAS-Programm – IBSA-Symposium [1]
Offizieller IMCAS 2026-Bericht von IBSA [2]
Biostimulatoren: zunehmender Fokus auf Körperindikationen
In den letzten Jahren hat sich der Einsatz von Biostimulatoren allmählich über den Gesichtsbereich hinaus ausgeweitet. Auf der IMCAS 2026 wurde diese Richtung weiter verstärkt.
In seiner Kongresskommunikation hob Galderma Ergebnisse zu Sculptra® bei Körperindikationen hervor. Die Kommunikation umfasste Daten zu Verbesserungen der Festigkeit, Veränderungen im Erscheinungsbild von Cellulite und zur Konturverbesserung.
Die stärkere Präsenz von Körperindikationen deutet darauf hin, dass das biostimulatorische Denken über ein gesichtszentriertes Paradigma hinausgeht. Von der Nachfrageseite her ist dies verständlich: patienten denken nicht nur in Bezug auf Gesichtsverjüngung, sondern an die allgemeine Körperharmonie.
Quelle:
Galderma IMCAS 2026 Kommunikation [3]
Botulinumtoxin mit kürzerer Wirkdauer – Eine Entwicklungsrichtung
Aus fachlicher Sicht ist vielleicht eine der interessantesten Entwicklungsrichtungen das Konzept eines Botulinumtoxins mit kürzerer Wirkdauer.
Auf der IMCAS 2026 präsentierte Allergan Aesthetics Daten zur Entwicklung von TrenibotulinumtoxinE (BoNT-E). Laut offizieller Kommunikation ist das Ziel ein schnellerer Wirkungseintritt und eine kürzere klinische Wirkdauer.
Dieser Ansatz kann aus mehreren Perspektiven interessant sein: in bestimmten Indikationen könnte er eine größere Kontrolle und eine flexiblere Behandlungsplanung ermöglichen. Gleichzeitig ist zu betonen, dass sich dies in einer Entwicklungs- und Zulassungsphase befindet und daher nicht als routinemäßig verfügbare Therapie angesehen werden kann.
Quellen:
AbbVie IMCAS 2026 Pressematerial [4]
IMCAS-Programm – Allergan-Symposium [5]
Polynukleotide: neupositionierung der Kategorie „Booster“
Polynukleotid-basierte Behandlungen waren in den letzten Jahren in der nicht-chirurgischen Ästhetik beständig präsent, aber basierend auf dem IMCAS 2026-Programm wird ihre Positionierung weiter ausgebaut.
Das Symposium von PharmaResearch Products diskutierte die PN-Therapie nicht nur in einer hydratisierenden oder „Skin Booster“-Rolle, sondern auch im Kontext von Pigmentierungsstörungen, Rosazea und Barriere-Dysfunktion.
Dies deutet darauf hin, dass sich die Kommunikation rund um PN-Behandlungen zunehmend in eine regenerative und entzündungsmodulierende Richtung bewegt. Gleichzeitig erfordert die klinische Umsetzung weiterhin sorgfältige Überlegungen, insbesondere im Hinblick auf Indikationen und Evidenzgrade.
Quelle:
IMCAS-Sitzungsseite – PharmaResearch-Symposium [6]
Exosomen und kombinierte Ansätze
Das Thema Exosomen tauchte auch in einem speziellen Industriesymposium auf.
Das IMCAS-Programm von Sesderma konzentrierte sich speziell auf die ästhetische Anwendung von Exosomen. Darüber hinaus enthielt das e-Programm des Kongresses eine Präsentation, in der Kombinationen von Microneedling und Exosomen diskutiert wurden.
Der fachliche Diskurs um Exosomen befindet sich derzeit in einer starken Entwicklungsphase. Das regulatorische Umfeld, der Evidenzgrad und Fragen der Standardisierung bleiben relevant; daher sollte das Thema eher als Entwicklungs- und Forschungsrichtung denn als routinemäßig angewendeter Standard interpretiert werden.
Quellen:
IMCAS-Programm – Sesderma-Symposium [7]
IMCAS 2026 e-Programm [8]
Energiebasierte Geräte: plattformdenken
Energiebasierte Systeme waren natürlich ebenfalls stark vertreten.
Auf der IMCAS 2026 stellte Candela Medical das Glacē™-System vor und hob mehrere seiner Plattformen hervor. Die Kommunikation konzentrierte sich auf Kombinierbarkeit und komplexe Behandlungsstrategien.
Dies steht im Einklang mit dem Markttrend, demzufolge sich ästhetische Behandlungen selten auf eine einzige Modalität stützen. Injektions- und energiebasierte Therapien treten in komplementären Rollen auf.
Quelle:
Candela IMCAS 2026 Pressemitteilung [9]
Hervorgehobener Industrieblock: jetema – Exosomen „Glass Skin“ und Hals-Schulter-Silhouette
Das Industrieprogramm der IMCAS 2026 umfasste auch das Jetema-Symposium, das mehrere aktuelle Marktrichtungen adressierte.
Laut Sitzungsprogramm umfassten die Schwerpunkte die exosomenbasierte Verbesserung der Hautqualität („Glass Skin“-Konzept) sowie die ästhetische Behandlung der Hals-Schulter-Region, einschließlich Silhouettenverfeinerung und struktureller Ansätze. Die Kommunikation wies auf natürliche Konturierung, Gewebequalität und kombinierte Injektionsstrategien hin.
Die ästhetische Behandlung der Hals-Schulter-Region ist bemerkenswert, da die Konturkorrektur über das Gesicht hinaus zunehmend Teil einer umfassenden ästhetischen Perspektive wird.
Auch hier verdeutlichte die Kommunikation, wie das Narrativ der Hautqualität zunehmend in einem Ästhetik-Lifestyle-Kontext erscheint.
Quelle:
IMCAS World Congress 2026. Jetema-Symposium. [10]
Fazit
Basierend auf den Industriesymposien der IMCAS 2026 lag der Fokus nicht auf revolutionären technischen Innovationen, sondern vielmehr auf der Stärkung einer reiferen und differenzierteren professionellen Denkweise.
Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Regeneration und Gewebequalität, während sich das Indikationsspektrum der Biostimulation allmählich erweitert, insbesondere auf Körperareale. Darüber hinaus tauchen neue Wirkstoffkonzepte — wie Toxine mit kürzerer Wirkdauer — in Entwicklungsphasen auf, während kombinierte, plattformbasierte Behandlungsstrategien zunehmend zum grundlegenden Denken werden.
Der Fokus der nicht-chirurgischen Ästhetik verlagert sich somit zunehmend auf die langfristige Gewebereaktion, strukturelle Unterstützung und bewusste Behandlungsplanung. Diese Perspektive wird wahrscheinlich die fachliche Richtung der kommenden Jahre bestimmen.
Die Mosaike der IMCAS-Symposien sind daher nicht an sich interessant, sondern innerhalb der beruflichen Entwicklung, die auf eine bewusstere, strukturiertere und langfristig orientierte ästhetische Denkweise hinweist.
Die Industrieblöcke der IMCAS 2026 signalisieren keine technologische Revolution, sondern eine Konsolidierung der Perspektive.